Tagebuch Flussfahrt Douro (Portugal) 9. – 16. Juni 2017

 

Unsere Spielkasse (Birrers, Ferraris, Hinnens) hat sich in den letzten drei Jahren sehr gut erholt und wir konnten darum wieder einmal eine neue Reise planen und in Angriff nehmen. Bereits Mitte 2016 hatten wir uns für eine Douro-Flussfahrt entschieden und bei Mittelthurgau gebucht. Die hohen Kosten hatten uns zuerst wirklich erstaunt, im Nachhinein dürfen wir aber sagen, dass die Kohle gut investiert war.

 

Freitag 9. Juni 2017

Um 10h ging es mit dem Zug zum Flughafen Kloten und dort verlief das Einchecken bei der Germania äusserst speditiv und problemlos. Es reichte jedenfalls wie nicht anders zu erwarten war für einen Apéro. Die Sicht aus dem Flugzeug war dank Föhn spektakulär. Der Service im Flugzeug war bestens, die Beinfreiheit beim Sitzen, zurückhaltend ausgedrückt unterdurchschnittlich. In Porto wurden wir von einer Reiseleiterin empfangen, zuerst zum Bus und von dort zum Schiff gebracht. Mit dem Gepäck hatten wir nichts zu tun, dies war bereits auf dem Schiff als wir die Zimmer bezogen.  Es war schon bald Nachtessen angesagt und anschliessend ein Ausflug nach Porto (by Night). Tanja die einheimische Reiseleiterin die uns die ganze Woche betreute erwartete uns im Bus, der uns ebenso die ganze Woche zur Verfügung stand. Tanja wurde in Deutschland geboren, studierte in Portugal und lebt seit über 20 Jahren in Porto.

Wer erwartet hatte, dass Porto by Night etwas mit Nachtlokalen zu tun hat, hatte sich ziemlich getäuscht. Wir besuchten den Bahnhof Sao Pento. Sehenswert sind da die vielen alten Gemälde die die Wände (Azulejos, Fliessen) des Bahnhofs verzieren. Das Bahnhofsgebäude in der Form eines „U“ ging nach gut 16 Jahren Bauarbeiten 1916 in Betrieb. Seitdem enden die Züge aus dem Douro- und dem Minho-Tal sowie Guimarães und Aveiro in dem Bahnhof.

 

Anschliessend ging es zum Börsengebäude Pàlacio da Bolsa dem Hauptsitz der Handelskammer von Porto. Tanja hat uns da verschiedene Geschichten und Episoden über die früheren Handelstätigkeiten erzählt. 

 

 

Samstag 10. Juni 2017

Wegen dem Portugiesischen Nationalfeiertag und dem damit erwarteten Chaos in der Stadt, wurde die geplante Porto-Stadtrundfahrt auf Sonntag verschoben. Während des autoritären Estado Novo wurde der 10. Juni von Diktator Salazar zu Ehren der portugiesischen Opfer der Kolonialkriege unter dem Namen „Tag von Camões, Portugal und der portugiesischen Rasse“ zum Nationalfeiertag erhoben. 

Dafür wurde die Tour nach Guimarães vorgezogen. „Hier wurde Portugal geboren“ steht an der Stadtmauer. Speziell zu erwähnen ist die alte romanische Burg aus dem 10. Jahrhundert und die idyllische Altstadt mit den verwinkelten Gässchen. 

 

 

Am Nachmittag konnte Porto auf eigene Faust besichtigt werden. Ein „Rabelo“ (Bootstyp der früher in Porto zum Transport von Weinfässern verwendet wurde) brachte uns zum Anlageplatz („Cruzeiro das 6 pontes“). Von diesem Punkt aus gibt es die Möglichkeit mit dem historischen Tram zur Flussmündung des Douros oder mit der Standseilbahn ins Stadtzentrum zu fahren. Die Einten unserer Reisegruppe hatten sich für einen Ausflug zum Flussdelta entschieden, die Rückkehr zum Schiff dann via Seilbahn (Teleférico de Gaia) und einem kurzen Fussmarsch. Die Anderen etwas Sightseeing im Zentrum und dann in etwas 30 Minuten zu Fuss zurück  aufs Schiff. 

Nach dem Nachtessen war noch Bingo, mit speziellen Regeln die nicht einmal von der Organisatorin verstanden wurden, angesagt. Lustig und gemütlich war es aber trotzdem.

Sonntag 11. Juni 2017

Am Sonntag morgen stand die Stadtrundfahrt auf dem Programm. Am Ufer des Atlantiks konnten wir etwas Meerluft schnuppern, bevor es an den sechs Brücken, die den Douro in Porto überspannen, vorbei ging. Dann ein Besuch bei „Burmeister“ einem bekannten Portwein-Hersteller. Da hörten wir zum ersten Mal warum es überhaupt Portwein gibt und wie er hergestellt wird. Dem Wein wird während der Gärung Neutralalkohol mit 77 Volumenprozent hinzugefügt, wodurch der Gärprozess gestoppt wird und der Wein besser Transportfähig ist. Interessant ist auch folgende Geschichte: 1373 unterzeichneten die Portugiesen mit den Engländern ein Handelsabkommen, das sie berechtigte, für die Lieferungen von Vinho de Lamego Kabeljau vor der britischen Küste zu fischen.

Nach der Degustation fuhren wir dem Schiff nach, dass sich in der Zwischenzeit etwa 20 Kilometer Flussaufwärts abgesetzt hatte. Am Nachmittag konnten wir dann endlich mal ausspannen, die Einten mit Spielen und Faulenzen auf Deck, die Anderen mit Fernsehen (Wawrinka-Nadal im Paris-Open). Es war eine interessante Erfahrung eine Auge auf dem TV und das Andere an auf der vorbeiziehenden Landschaft. Einen zwanzigminütigen Bildausfall gab es allerdings als wir die Schleuse Carrapatelo überwinden mussten.  Dies ist eine von fünf Schleusen im Douro und mit 35 Meter Fallhöhe die zweithöchste Schleuse in Europa. 

Gegen 18h legten wir in Régua an. Dort ging es zu einem wunderschönen Weingut „Quinta de Tourais“. Den Apéro konnten wir mit Blick auf die umliegenden Rebbergen geniessen, bevor es zu einer Kellerbesichtigung und zum anschliessenden Nachtessen ging. Der Tag wurde mit einer Fado-Darbietung gebührend beendet. Auf dieser Reise wird wirklich sehr viel geboten, langweilig wird es ganz sicher nie.     

 

Montag 12. Juni 2017

Es war nicht etwa Ausschlafen angesagt 😉   Unmittelbar nach dem Morgenessen ein kurzer Fussmarsch zum Douro-Museum wo wir Einiges über die Entwicklung des Douro-Tales, sowie dem damit verbundenen Portwein lernen konnten.  Beim Aussteigen aus dem Schiff mussten wir auch realisieren, dass es vorbei war mit den angenehmen Temperaturen, es war bereits um die 30° und Tendenz steigend. Anschliessend ging es mit dem Bus auf einem schmalen Weg, wo kreuzen unmöglich war, auf eine Hügelkette mit spektakulärer Aussicht auf das Douro-Tal. Natürlich war die Aussicht nur ein Grund für diese Fahrt das eigentliche Highlit war der Besuch des Weingut „Sandeman“. Auch da erfuhren wir wieder Einiges über den Portwein aber wir freuten uns hauptsächlich über  die Degustation, den kühlen Raum und die geniale Aussicht. 

Zum Mittagessen ging es zurück aufs Schiff das in der Zwischenzeit weitere 20 Km Flussaufwärts gefahren war.  Der Nachmittag war dann ein lockeres herum liegen und die Gegend geniessen bei allerdings tropischen Temeraturen. Wir waren jedenfalls froh konnten wir uns zwischendurch im Swimmingpool resp. Planschbecken etwas abkühlen. Liegeplatz in der Nacht war Vega de Terron, das Ende unserer Reise Flussaufwärts. 

 

Dienstag 13. Juni 2017

Es stand Salamanca eine altberühmte Universitätsstadt auf dem Programm. Von diesem Ausflug wurde vorgängig sehr viel geredet und trotz der Zusatzkosten als „must see“ bezeichnet. Ehrlich gesagt auf dem Schiff wäre es sowieso viel zu  heiss gewesen und die Mücken hätten uns wahrscheinlich den Rest gegeben. Wir nahmen also die zwei Mal zweistündige Busfahrt durch eine interessante Landschaft in Kauf. Dass im Bus die Klimaanlage nicht funktionierte war zu vernachlässigen. Tanja sorgte mit Ihren Ausführungen über Land und Leute in Spanien resp. Salamanca für Abwechslung resp. rauchende Köpfe (was wir alles zu hören bekamen). Angeschaut haben wir wie das so vorgegeben ist: den Plaza Major, die Kathedralen, die Casa de las Conchas sowie das Muschelhaus. Den Vormittag verbrachten wir allerdings, da Freizeit angesagt war in verschiedensten Shops und Warenhäusern.

Die Rückfahrt verlief dann ruhig, wir wussten ja in der Zwischenzeit alles über Spanien und die Klimaanlage funktionierte auch wieder. Am Abend konnten wir nach dem Nachtessen noch eine Flamengovorführung bewundern.   

Mittwoch 14. Juni 2017

Am Morgen eine ganz interessante Fahrt durch den Naturpark *Douro Internacional“ nach Castelo Rodrigo. Dies ist ein historisches Dorf das ursprünglich zum Schutz der portugiesischen Grenzen erbaut wurde.  Es liegt auf ca. 800 MüM und es wohnen noch ca. 500 Leute dort. Da es immer noch extrem heiss war hatten wir uns für einen Wirtschaftsbuch in einem netten Lokal entschieden. Beim Ausgang des Dorfs konnten wir in einem Laden auch noch die diversen präparierten Mandeln sowie einen Mandel-Likör geniessen.

 

Anschliessend zurück auf’s Schiff, Mittag essen und die Füsse baumeln lassen.  Der Liegeplatz war dann in Terron, da waren wir doch schon vor zwei Tagen. Der Galabend ohne Kravatte hat uns nicht aus den Socken gehauen. Im Dorf war auch nichts los, fast alle Beizen geschlossen, da mussten wir den Schlumbi halt auf dem Schiff nehmen. 

 

Donnerstag 15. Juni 2017

Wieder beizeiten aufstehen damit wir den Bus nach Lamego nicht verpassten. Spektakulär in diesem Ort ist die Wallfahrtstätte Nossa Senhora des Remédios. Von dieser sehenswerten Kirche aus führt eine ebenso sehenswerte Treppe mit 700 Stufen runter in’s Dorfzentrum. Rauf ging es erfreulicherweise mit dem Car und die 700 Stufen runter laufen war keine eigentliche Herausforderung. Was an diesem Ort aber ganz speziell interessant war, ist der Markt mit vielen Ständen und lauten „Ausrufern“ wo Kleider, Schuhe und anderer Grümpel gekauft werden kann. Ich bin fast sicher, dass einzelne Leute aus unserer Gruppe nur wegen diesem Markt am Ausflug teilnahmen. Es hat sich aber sicher gelohnt, einerseits wegen der schönen Landschaft und andererseits wegen den Ausführungen von Tanja über die sozialen Aspekte von Portugal. 

Zum Mittagessen waren wir zurück auf dem Schiff und konnten auf dem Schiff die Rückfahrt Richtung Porto geniessen. Leider konnte das Sonnendeck teilweise nicht benutzt werden, da bei den Schleusen resp. bei zwei Brücken das Dach eingezogen werden musste und es so knapp war, dass Stehen auf dem Deck nicht mehr möglich war. Ganz speziell interessant war dann das das Schiff in Porto bis zur Mündung des Flusses fuhr und erst dann zurück zum Anlegeplatz den wir vom ersten Tag der Reise her kannten. Nach dem Nachtessen stand eine Folklore-Show von einer Gross-Familie auf dem Programm. 

 

Freitag 16. Juni 2017

Die An-und Abreisetage gleichen sich halt immer,  etwas herumhängen, etwas herumlatschen, Läden heimsuchen aber glücklicherweise mussten wir uns nicht um das Gepäck und den Transport kümmern. Der Bus führte uns ins Stadtzentrum, das Gepäck war verstaut und am Nachmittag holte uns der Bus wieder ab und führte uns zum Flugplatz. Interessant war aber sicher noch die Besichtigung resp. Begehung der Eisenbahnbrücke die sich etwa 50 Meter über dem Douro befindet. Zum Abschluss Mittagessen in einer netten Wirtschaft. 

 

Der Rückflug war nochmals genial mit bester Sicht, wir sind praktisch über die Stadt Zürich geflogen. Allerdings etwa eine knappe Stunde Verspätung aber wir waren trotzdem dank SBB um 22h zu Hause,

Eine tolle Reise, sehr abwechslungsreich und interessant. Empfehlenswert.   

 Posted by at 2:50 pm