Jul 272020
 

Bericht: Max

An einem wunderschönen Morgen trafen sich 14 Wanderfreunde*innen und 2 Hunde zum höchsten Punkt dieser Wandertour (Hochstollen: 2480 müM.) in der Saison 2020. Es wurde heisses Wetter mit Gewitterneigung in den Bergen prognostiziert. Von Luzern bis zum Ausgangspunkt Sachseln transportierte uns die Zentralbahn – uns standen genügend Sitzplätze trotz der Reisezeit zur Verfügung. Die Coronapandemieanweisungen wurden eingehalten (Schutzmaske!). Alle waren froh, dieses Verhüllungstuch beim Verlassen des Zuges abnehmen zu können um die Mimik des Gesprächsspartners wieder wahrnehmen zu können. Sachseln ist bekannt durch den Bruder Klaus und dem nahe gelegenen Mittelpunkt der Schweiz; beides hat eine innerstaatliche, historische Bedeutung.

Vom Bahnhof bis ins Dorfzentrum wurden wir, wie jedes Mal „getragen“, wenn von Fredi die Ankündigung für einen Antrittstrunk im Café verkündet wird. Im Dorfkern mit schön renoviertem Dorfmuseum und angebauter Bäckerei konnten wir uns auf der Gartenterrasse niederlassen – mit Blick auf das Kirchenportal – das zum Ensemble des Dorfplatzes eingebettet erschien. Nach unserer Stärkung durften wir in einen Kleinbus einsteigen, der uns zur Älggialp fuhr. Auf der zum Teil schmalen Verbindungsstrasse von ca. 3 Metern Breite führte uns der ortskundige Chauffeur den steilen, asphaltierten Weg hinauf durch den Wald und auch an steil abfallenden Weideflächen vorbei, die uns den Ausblick über den Sarnersee freigaben. Froh waren wir, dass wir keinem Gegenverkehr ausgesetzt waren, denn auch Ausweichstellen waren rar. So geschah es trotzdem, dass wir anhalten mussten – Kinder eines Alphofes wurden eingespannt für die Verkehrsregelung, denn ein Bündel Heu wurde gerade mit einem Jochschlitten an einem Stahlseil heruntergelassen und in ein landwirtschaftliches Gefährt verladen. So konnten wir Zeugen werden eines urschweizerischen Vorganges zur Alpwirtschaftspflege.

Mittelpunkt der Schweiz

Die Alp Älggi liegt auf 1635 müM – sie ist kein Dorf, hat aber die meisten Eigenschaften einer Ansiedlung auszuweisen. Neben dem kleinen Wirtshaus liegt eine Herberge und in grösseren Abständen die der Alpwirtschaft dienenden Melch- und Käsebewirtschaftung zugetanen Häusern mit Unterständen und Räumen. Ebenfalls ist eine Kapelle ein Teil dieses Ganzen. An einem Rundweg liegt aber auch der neu berechnete Mittelpunkt der Schweiz: Ein Ausrichtungsspitz mit den Polmarkierungen, diverse Infotafeln und rundherum eine Trockenmauer in Form der Landesgrenze mit nördlichem und südlichem Zugang durch ein Drehkreuz.

Nun hatten wir einen Anstieg von beinahe 1000 m vor uns – den ersten Einstieg in eine Wand – die eine nördliche Ausrichtung hatte, war insofern angenehm, weil sie uns mit ihrem Schatten vor der intensiven Sonneneinstrahlung bewahrte. Der mit Ketten gesicherte, steile Weg war gut markiert, aber schon strahlte uns die sengende Sonne wieder entgegen, da der obere Teil zum Seefeldsee abflachte. Uns kamen Angler entgegen – da wussten wir, dass sich da nicht nur Wanderer aufhielten. Etwa 200 m über dem Ausgangspunkt erreichten wir den Bergsee, liessen ihn aber gleich links liegen, da der nächste Aufstieg zur Krete auf ca. 2000 m Höhe durch eine z.T. begrünte Geröllhalde führte. Wer da noch Zeit fand, links und rechts des Weges, seine Aufmerksamkeit hin zu richten, gewahrte die Vielfalt der Bergflora in ihrer grossen Pracht. Schonungslos wurden wir aber auch von der Sonne begleitet – beim Einstieg hatte eine kleine Wolke dem Abhang Schatten gespendet – das nahmen einige wie eine hilfespendende Partnerin wahr und wünschten sich ihr verweilen – es blieb beim Wunschdenken! Um ca. 11.15 h erreichten wir den Grat – die erste Rast um Flüssigkeit nach- zutanken. Danach führte uns der leicht abfallende Weg auf die andere Seite der Krete – dann öffnete sich die Diretissima über steile Tritte und kettengesicherte Klippen zur nächsten Anhöhe auf 2222 müM. – auf eine Alpweide. Hier öffnete sich wiederum das Panorama der Bergwelt mit der weit unten liegenden Melchseefrutt und dem dahinterliegenden Titlisgebirge. Frühere Wanderungen in diesem Gebiet liessen uns auch die Tour vom Jochpass nochmals vergegenwärtigen.

Im Westen erkannten wir eine sich aufbauende Wetterfront und so beschlossen wir gleich den nächste Aufstieg anzugehen – weitere 250 Höhenmeter waren bis zum Hochstollen zu bewältigen. Auch da zeigten sich steile Anstiege – wir fanden aber auch Zeit zum Anhalten, um das Panorama über das Sustenhorn / Wetterhorn / Jungfraugebiet bis zum Brienzersee und dem Rothorn „einatmen“ zu können. Dann wurde es dunkler, denn die Wetterfront legte sich über uns, zumindest am Rande. Grosse Tropfen liessen uns an einer anderen Erscheinung des Sommerwetters teilhaben – zum Glück nur für eine kurze Dauer. So konnten zusätzlich „montierte Roben“ schon bald wieder „neutralisiert“ werden. So wird der letzte Aufstieg mit dem Erreichen des Gipfels gekrönt: Rundumsicht. Alles erscheint in der Grossartigkeit wie auch im Kleinen – Die Melchseefrutt wie auf der anderen Seite Meiringen als Modellansicht.

Wir haben das Tagesziel erreicht und nehmen auf den abschüssigen Bergfloraflanken unsere Verpflegungsplätze ein. Der Wendewinkel der Halspartien reicht nicht aus, um dem 360° Rundumblick gerecht werden zu können! Wir lassen uns Zeit, bis eine neue Front den Westen verdunkelt. Mit erleichtertem Rucksack nehmen wir den Abstieg unter die Füsse – zuerst wieder recht steil, bis wir auf eine Alpweide mit Rindern stossen. Bei einem kleinen Unterstand versperren sie uns den Weg. Mit gutem Zureden lassen sie sich ganz nahe an ihren Seiten passieren. Etwa 200 m tiefer erblicken wir eine Skiliftendstation… ein möglicher Ort für einen kurzen Unterschlupf vor dem sich nähernden „Vorhang“. Auch die Schnellen erreichen den Unterstand erst verspätet, die Kleider haben schon einen gewisssen Sättigungsgrad erreicht. Trotzdem hat sich der Schauer mehrheitlich südlich entladen und wir nehmen das letzte Wegstück unter die Füsse. Glockengeläut begleitet uns auf den Alpweiden mit heimeligem Lärm. Wir treffen eine Alphirtin, die schon die siebte Saison das Alpvieh betreut – sie kennt ihre Anvertrauten, die sich sofort um sie formieren. Mit Rindern wird hier Aufzucht getrieben. Dann wurde die Mittelstation Käserstatt erreicht wo wir im Restaurant Unterschlupf finden. Der Durst ist gross – wir schaffen den Flüssigkeitsausgleich! Eine neue Front vertreibt uns von der Terrasse – die Kabinenbahn bringt uns ins Tal, begleitet mit einem „Trommelwerk“ vom einsetzenden Hagel.

Als wir unten eintreffen ist der Spuck schon wieder vorbei. Das Postauto bringt uns zum Brünig, die Zentralbahn nach Luzern und der Schnellzug nach Hause. Ein herrlicher Tag nimmt so seinen Abschluss. Fredi: Das war eine der schönsten Touren, aber immer wieder werden wir von Erlebnissteigerungen überrascht. Das schaffst du immer wieder – wir können nur staunen! Vielen Dank für deine hervorragende Organisation und deren Begleitung.

Karte

Bilder: Irene, Richard, Föns, Werni

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