Jul 172020
 

Bericht: Hane

Tag 1:

Fünfzehn erwartungsfrohe Wanderer, davon drei Damen, stiegen in Zürich in den Zug nach Chur. Von dort ging es in einen Panorama-Wagen der RhB über den Albula- und den Bernina-Pass zur Alp Grüm (die Strecke gehört zum UNESCO Welterbe). Wir durften uns über reservierte Sitzplätze freuen, die spektakuläre Aussicht geniessen und dabei die störenden Gesichts-Masken etwas vergessen. 

Das Erlebnis war dann aber leider bei der Ankunft auf der Alp Grüm wegen dem dichten Nebel vorerst einmal vorbei. Ein kurzer Abstieg brachte uns zum „Il Giglio“ einem schönen „Grotto“ oder wie sich das auch immer nennt. Wir konzentrierten uns auf das Essen und den Rotwein und vergessen war der Nebel, aber auch die Zeit. Plötzlich brach Hektik aus, weil unser Reiseleiter realisierte, dass es zu einem geplanten Termin in Cavaglia etwas knapp würde.  Als wir das Restaurant verliessen war der Nebel verschwunden und die Sicht auf den wunderschönen „Lagh da Palü“ frei. Pech für den Reiseleiter, da wir ja die Aussicht geniessen wollten und einige Fotos schiessen mussten, wurde die Zeit immer etwas enger. 

Mit etwa zehn Minuten Verspätung errichten wir Cavaglia. Dort wurden wir von Frau Lardi, so heissen fast alle Leute im Ort, empfangen. Ihr Mann Romeo Lardi war einer der Idealisten die in den 90er-Jahren begonnen hatten die Gletschermühlen, die vor ca. 10‘000 Jahren entstanden sind, freizuschaufeln. Er, im Hauptberuf Bergführer und Wanderleiter, hat uns während ca. 90 Minuten durch den Gletschergarten Cavaglia geführt und sehr viel über die Geschichte und die Knochenarbeit, die seit über 20 Jahren geleistet wird, erzählt. Voller Stolz hat er uns auch das Projekt „Orrido-Schlucht Cavaglia“, das kurz vor der Einweihung steht, vorgestellt. Dieser Besuch war einmal mehr eine Super-Idee Fredy, bisher war für mich ein Garten da um Blumen zu pflanzen und Mühlen um Mehl zu mahlen. Seit Dienstag wissen wir es besser. 

So en passant erwähnte dann R. Lardi, dass der Weg den wir nach Sfazu nehmen wollten seit dem 1. Juli wegen Instandstellung unpassierbar sei. Wir hatten aber weder einen entsprechenden Hinweis noch eine Verbotstafel entdeckt. Trotzdem hat sich die Vernunft durchgesetzt und wir sind nach Poschiavo gewandert und von dort mit dem Postauto nach Sfazu gefahren.

Dort konnten wir im Hotel Zerera nette Zweierzimmer mit  schöner Aussicht beziehen und uns bei einem Apéro auf das bevorstehende Nachtessen einstimmen. Wie gewohnt war die Stimmung ziemlich aufgeräumt und es wurden wieder einige Anekdoten aus „sieben Jahre Quer dur d’Schwyz“ zum Besten gegeben.

Karte 1. Tag

Bilder: Richard, Irene, Werni

Tag 2:

Abgesehen von zwei älteren Routiniers die das Privileg hatten zusammen in einem Ehebett zu übernachten (es sei aber nichts passiert) hatten sich am anderen Morgen alle recht positiv über die Schlaf-Erfahrungen geäussert . Das Buffet zum Morgenessen war vielfältig nur das Brot war vermutlich aus der Vor-Corona-Zeit.

Es stand eine 16-Km-Wanderung zum „Lagh da Val Viola“ mit ca. 900 Höhenmeter auf dem Programm. Das Wetter meinte es trotz kritischer Prognose gut mit uns, es war bewölkt mit Aufhellungen und eigentlich ganz wenig Regen. Eine gute Stunde Fussmarsch brachte uns zum Ristoro Alpe Campo. Wer jetzt aber denkt, dass wir dort unseren obligaten „Morgen-Café“ trinken konnten hatte sich geirrt. Die „Antwort der deutschschweizer Wirtin auf unsere Frage ob wir was trinken können war: Wir haben keine Zeit und bis 10:30h geschlossen. – die leben vermutlich vom Corona-Kredit –

Am „Lagh da Scispadus“ ging es vorbei zum „Lagh da Val Viola“ auf 2160 MüM. Gemäss Info im Web ist dieser See mit einer Länge von 350 Meter und einer Breite von bis zu 300 Meter der grösste seiner Art in der unmittelbaren Umgebung. Wir mussten uns den Blick auf den idyllischen See aber mit einer ziemlich anspruchsvollen Wanderung verdienen. Gröbere Steine, Wurzeln, Alpenrosensträucher mussten wir durchqueren um zum Ufer zu gelangen.

Die nächste Etappe führte dann nochmals auf einem ziemlich steinigen Weg hinunter zum „Lagh da Saoseo“. Auch dieser See besticht mit seinen unterschiedlichen Farbausprägungen, die bei Sonnenschein sicher noch besser zum Ausdruck gekommen wären. Wir haben uns aber auch so über die schöne Landschaft gefreut und anschliessend den Abstieg zum „Rifugio Saoseo (heute SAC-Hütte, vormals Grenzstation)“ gemacht. Hier war die Bewirtung sehr gut, äusserst freundlich und die Ambiente ausgesprochen gemütlich.    

Die letzte Etappe führte uns zurück ins Hotel Zerera, wo wir genügend Zeit für einen Apéro vor dem Nachtessen hatten und gleichzeitig Werni (Navigator, Fotograf und Filmemacher) in den Hunderter-Club aufnehmen konnten (einhundert Wanderungen mit der Gruppe QdS-Gut).

Zum Menu: Die Vorspeise war excellent, beim Hauptgericht „Schweinebauch“ hat mich der Name etwas irritiert und ich habe darum auf den Dessert gewartet. Die Mehrheit der Esser war aber sehr angetan, allerdings muss die Mehrheit nicht zwangsläufig Recht haben. 

Karte 2. Tag

Bilder: Richard, Irene, Werni

Tag 3:

Die zwei Routiniers mit dem Ehebett hatten sich diesmal ganz unterschiedlich über die Anzahl geschlafenen Stunden geäussert, aber sie sahen jedenfalls ausgeruht aus. Das Buffet war wieder ok, das Brot einfach 24 Stunden älter.

Wieder über 15 km mit ca. 500 Meter Aufstieg und 1100 Meter Abstieg standen am dritten Tag auf dem Programm. Es war zur Abwechslung eine ziemlich lockere Wanderung durch einen Teil des „Val Poschiavo“. Unter uns wand sich die Bernina-Strasse zum Pass hoch und auf der Gegenseite des Tals die Bahnstrecke mit den roten Zügen.

Der Höhepunkt des Tages war dann aber eindeutig der Besuch des Restaurants Motrice in Poschiavo. Hans Lüscher ist mit dem Besitzer-Ehepaar Fausto & Ornella Isepponi befreundet und hat unsere ganze Truppe zu der Hausspezialität „Pizzoccheri“ eingeladen. Frau Isepponi hat uns vor dem Essen stolz erzählt, dass sie in Poschiavo eigenhändig „Buchweizen“ angesät habe und sie hat ausführlich erklärt, wie „ Puschlaver Pizzoccheri“ gemacht werden. Der Hausherr hat uns dann auch noch Einiges über das Puschlav erzählt und auch die Herkunft des Restaurant-Namens erläutert. Das ursprüngliche Restaurant das in den 90er-Jahren abgerissen wurde hatte, mit etwas Fantasie betrachtet, die Form eines Triebwagens (Motrice).

Ein weiteres Highlight war dann die Rückfahrt im Panorama-Wagen mit der Bernina-Bahn durch die vielen Kehrtunnels über Bernina und Albula nach Chur. Da das Wetter schöner war als bei der Hinfahrt und ausser uns praktisch niemand im Wagen war konnten wir die Fahrt geniessen und das Schlafen auf die Strecke Chur-Zürich verschieben.   

Besten Dank Fredy, Du hast wie gewohnt ganze Arbeit geleistet. Schade war, dass Geri nicht dabei sein konnte. Wir wünschen ihm aber auf diesem Weg schnelle und gute Besserung und hoffen, dass er bei der nächsten Wanderung von der Aelggi Alp aus wieder dabei ist. Köbi super, dass Du auch dabei warst, ein Wermutstropfen war vermutlich nur das Ehebett.   

 

Karte 3. Tag

Bilder: Richard, Werni

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