Dienstag 3. September – Arnisee

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Sep 032019
 

Tagesbericht: Max

Es ist schönes Herbstwetter angesagt, am Morgen eher etwas kühl und teilweise liegen Nebelfelder über der Landschaft. 17 Wanderfreudige (darunter 3 Frauen und ein Hund) treffen sich im Zug, der uns nach Erstfeld bringt – danach fährt uns der Linienbus nach Göschenen, die alte Gotthardstrecke bis nach Intschi, der Talstation der Seilbahn zum Arnisee. Für unsere Gruppe sind drei Bergfahrten notwendig, da die Gewichtsbeschränkung in der Kabine anzeigt, dass max. 7. Personen mitgeführt werden können. Die Höhendifferenz von ca. 700 Meter zum Arnisee (1368 müM) schaffen wir so in wenigen Minuten. 

Unmittelbar oberhalb der Bergstation liegt das mit einer grossen Sonnenterasse sich anbietende Bergheim, wo wir uns bei Café / Gipfeli stärken und die wärmenden Sonnenstrahlen „aufsaugen“ können. Aber nicht nur das – wir kommen auf der kleinen Geländemulde auch in den Genuss der herrlichen Aussicht über das tief unter uns liegende, nach Süden sich erstreckende Reusstal bis ins Gotthardmassiv und den Blick ins Bergmassiv des gegenüberliegenden Maderanertals mit den flankierenden „Eingangstürmen“ von Windgällen und Bristen. Etwas weiter südlich gelegen sehen wir ins Fellital, das über die Fellilücke direkt zum Oberalppass führt. 

Der Aufbruch zur Tageswanderung führt uns zuerst an den klaren Arnisee, einem Stausee, der durch Bergbäche der vergangenen Regentage reich gefüllt worden ist. Wir sehen, dass das Grasnabenende bis gut einen Meter unter der Wasseroberfläche liegt – das üblicherweise die Uferbegrenzung darstellt. Nun weist uns die Wanderroute Richtung Heitersbüel / Leitschachbach – über einen gut ausgebauten Wanderweg, vorbei an einzelnen Ferienhäusern, zum Weg nach der Furt. Beim ersten Anstieg finden wir uns von einer herbstlichen Vegetation umgeben – viele verblüte Alpenrosenstauden, Erikablüten und  Heidelbeersträucher sind hier anzutreffen. Dazwischen wachsen kleinwüchsige Koniferen – eine Nadelbaumart. Und dann die überall gegenwärtigen, recht grossen Pilze – wie immer die Auffälligsten unter ihnen die roten Fliegenblätterpilze in den schönsten Ausformungen. Im offenen Taleinschnitt brennt uns die Sonne in den Nacken und schon bald werden Kleiderschichten reduziert, die uns „ins Schwitzen“ bringen.

Die Wandergruppe kommt auf dem moderaten Anstieg des schmalen Weges immer wieder ins Stocken, weil sich die Teilnehmer den verlockenden Gelegenheiten der sich anbietenden blauen Früchten der Heidelbeerstauden nicht verschliessen können – das Naschen ist angesagt. Es ist erstaunlich, wie flächendeckend diese Pflanze sich ausbreiten konnte – alle reich behangen. Beim Stundenhalt, wo das Plündern des Rucksacks mit ersten Snacks üblich ist, können andere der Gelegenheit des Heidelbeerpflückens nicht widerstehen. Durch blaue Fingerkuppen lässt sich die Gruppe identifizieren, die sich ihrer Leidenschaft nicht verschliessen konnte. 

Der nächste Aufstieg war sehr steil, teilweise senkrecht zum Hang. Das lies die Gesprächsbereitschaft vieler Teilnehmer verstummen, denn sie waren mit den Anforderungen des Geländes beschäftigt. Dann überzog uns der aufsteigende Nebel und wir wurden umgehend der herrlichen Aussicht beraubt. Auch Panoramawanderungen lassen sich nicht so organisieren, dass Unvorhergesehenes auszuschliessen wäre. Nun gibt es aber Gräte, die eine Wetterscheide ermöglichen – das war da der Fall, als wir die Krete erreichten und uns ein blauer Himmel auf der anderen Seite die Schönheit der Aussicht offenbarte: diesmal in Richtung Urnersee bis Ennetbürgen, aber auch auf ein Gebiet der Wanderung in die Wildheuerwegregion. Die klare Sicht gab Fredi die Möglichkeit, uns die Berg- und Talwelt der Urner – und übergreifenden Umgebung mit seinen Kenntnissen genauestens zu erläutern. Wir befanden uns in auf- und absteigender Weise auf der Höhenkurve um 2000 müM und sahen das Gipfelkreuz Sunnig Grat als  Ziel unserer Wanderung weit voraus. Das Erreichen dieser Anhöhe war aber wiederum ein „steiniger Weg“, da die unförmigen Felsbrocken „durchstiegen“ werden mussten. Der Aussichtspunkt entschädigte uns aber für unsere Bemühungen mit einer herrlichen Rundsicht. Die Verpflegung aus dem Rucksack hat hier den zusätzlichen Ansprüchen der Hungerzeichen begegnen können. 

Zum Abstieg galt es zuerst den Gratrückweg zu bewältigen. Der Wegweiser zur Sunniggrathütte wollte niemand übersehen – in einem kurzen Abstieg erspähten wir die Durstlöschgelegenheit und nahmen schon bald die Terrasse in Beschlag. Sie liegt in einer Geländemulde auf 1978 müM, umgeben von einer Gebirgsmoorlandschaft mit kleinem Bergsee. Dann war hier das „Klassenfoto“ vor dem Hintergrund der östlichen Alpenkette eingeplant. Das war zudem auch der Ausgangspunkt zum Abstieg wiederum zum Arnisee, der gut 600 Meter weiter unter gelegen ist. Zuerst durchstreiften wir die weitere Moorlandschaft bis wir den bewaldeten Steilhang zum Abstieg erreichten. Der Weg war hier meist nicht einfach gegeben – jeder suchte seinen in jedem Schritt neu abzutastenden nächsten Halt im Gelände. Nasses Wurzelwerk erhöhte die Gleitgefahr, wobei die möglichen, auftretenden Stürze immer glimpflich verliefen. Die meisten waren froh als sie die Höhendifferenz zum Arnisee unbeschadet überwunden hatten.

Zum Schluss umwanderten wir noch den Arnisee und fanden uns wieder im bekannten Restaurant der Morgenverpflegung. Da durften wir, immer noch auf der sonnenbeschiehnen Terasse, die noch nicht ausgesprochenen „Neuigkeiten“ und die Erlebnisse des Tages, austauschen. Auch da galt es, den Linienbus nach Erstfeld zu berücksichtigen, der nur jede Stunde einen Kurs fährt. In Etappen füllten wir die Seilbahn, die uns alle rechtzeitig nach der Talstation brachte. Der Heimweg mit der SBB über Rotkreuz (Sperrung der Strecke Arth Glodau – Zug auf der rechtsseitigen Zugerseeseite) beanspruchte etwas Geduld. Trotz direkter Linie nach Zürich HB benötigten wir bis dahin anderthalb Stunden. Ein schöner Wandertag hat damit ein Ende gefunden, wiederum optimal geleitet von Fredi, dem ein grosser Dank ausgesprochen werden will.

Bilder: Werni, Föns, Jörg

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