Aug 162018
 

Tagesbericht: Max

Einmal müssen ja die Phasen der Wanderungen mit Schönwetterlagen abbrechen – dachte ich. Das Atlantiktief wandert ostwärts, eine Kaltfront zieht von Nordwesten über Europa. Voila! Trotzdem fuhren total 14 Wanderbegeisterte in die Zentralschweiz, davon 2 Frauen und zusätzlich 2 treue Hunde. Dunkle Regenwolken / Nebelschwaden in Abwechslung mit einigen blauen Löchern am Himmel begleiteten uns während der Zugsfahrt nach dem Oberalppass 2044 MüM. Da oben war es dann so weit: die Sonne entfaltete ihr ganzes Können; bei Sonnenschein verliessen wir die RhB – gute Aussicht: in unmittelbarer Nähe ein Restaurant (Urnerseite), wo wir mit Café und Gipfel versorgt wurden. Weitere 50 m daneben wieder ein Restaurant, diesmal aber auf der Bündner Seite – und was leuchtet da? Ein richtiger Leuchtturm! Ist das ein Fasnachtssujet? Nein ein Symbol für die Wasserstrasse des Rheins. Dieser mündet bekanntlich in den Atlantik – auch da stehen diese Türme. 

Die Rheinquelle entspringt unmittelbar an unserer Wanderroute, die uns Richtung Maighels – Hütte (SAC) führt. Der Lai da Tuma (2345 MüM) gilt als Ursprungsgewässer des Rheins, unser Weg liegt aber etwas unterhalb dieses Ausgangspunktes. Fredi hat uns den zusätzlichen Aufstieg erspart (Achtung vor dem Alter!), da sich sonst die ganze Wanderung über 6 Stunden erstreckt hätte. Das wollte er uns nicht zumuten, denn wir „altern“ alle kontinuierlich.

Einflechten zum Thema möchte ich da ein Witz von Peter (Inhalt: Alter) – Klassenzusammenkunft alle 10 Jahre im Restaurant Sonne;  

Erster Grund: da isst man gut. Nächstes Mal: Zweiter Grund: schöne Serviertochter; dann das nächste Mal: Dritter Grund: WC auf gleichem Boden wir Restaurant. Nach weiteren 10 Jahren: Vierter Grund: dieses Restaurant kommt mir bekannt vor – so geht’s eben im Laufe der Jahre.

Es folgen in dem probaten Aufstieg noch weitere Witze, was zeigt, dass die Lebendigkeit der Teilnehmer im Gespräch nie versiegt. Auch der Humor trägt vieles dazu bei.

Wir Wanderer steigen noch immer wie junge Gämsi in die Berghänge hinein. Aber man sieht hier weder Gämsi noch Steinböcke – man achte jetzt auf Wölfe, die in diesem Gebiet sich „anheimeln“ sollen. Noch etwas ist hier aussergewöhnlich: die Fauna zeigt sich kräftig und grün. Keine braunen Wiesen und Hänge; das Gras satt grün – das Buschwerk (verblühte Alpen – und Steinrosen in grossen Flächen) ist gut bewässert. Auf den Alpweiden ist immer noch verbreitet Glockengeläut (Grossvieh) hörbar. Trotz heissem Sommer wurde hier noch kein vorverschobener Alpabzug notwendig. 

Zur Mittagszeit erreichen wir die Maighelshütte: ein idealer Ausgangsort für Bergwanderungen. Sie liegt etwas neben unserem Wanderweg zum Lolenpass, jedoch verspricht sie uns die kulinarischen Extras zum Essen aus dem Rucksack. Auf der Sonnenseite (mit Sonnensegeldach) stehen Tisch und Bänke zu unserer Verfügung (Selfservice). Wir finden im 1. Stock ein Buffet – dahinter liegt die Küche mit den Essensfeen, die grosse Backbleche mit feinem Aprikosen- und Zwetschgenkuchen vorbereitet haben. Einige essen gern eine Suppe, um den beim Aufstieg entstandenen Salzverlust ausgleichen zu können. Nun geht’s ans Geniessen: auf dem Essensvorplatz durchsuchen wir unser Mitgebrachtes und suchen die passende Kombination mit der Hüttenzugabe. Die Rundsicht lässt uns alle möglichen Wetteroptionen offen; im Westen und Süden mit „Blauanteilen“ dann auch eher Dunkelbereiche. In der Mitte, also, wo wir uns aufhalten, herrlicher Sonnenschein, so wie wir es uns gewohnt sind. 

Nach der Mittagsrast steigen wir wieder zur Talsohle hinunter, denn der Aufstieg zum Lohenpass liegt auf der Gegenseite der Hütte. Vom gut angelegten Bergweg schauen wir zurück und erkennen den Stausee Lai da Curnera, der sich zwischen dem Einschnitt des Piz Cavradi und der Bergkette des Piz Alpretta öffnet. Weiter hinten sehen wir die Reste des Gletschers Maighels, der am Fusse des Piz Ravetsch (3007 m) liegt. In der südlichen Lage dahinter liegt der Lago Ritom (nicht sichtbar). Wir aber steigen an zwei kleinen Seen vorbei zur Passhöhe 2399, wo wir „den Durst löschen“ können. Von Westen (Unteralptal) kommen und Nebelschwaden entgegen, die „etwas Einfeuchten“; daraus entsteht aber der erste Regen. Wir verwandeln uns in eine umhüllte, wasserdichte Gruppe, die sich so dem Abstieg zuwendet. Die Wasserrinne im oberen Bereich ist zugleich unser Wanderweg und wir sind dankbar für unser gutes Schuhwerk. Nach ein paar hundert Metern ist aber die Nässe vorbei und wir machen einen Tenuefetz. Der steile Abstieg (ca. 450 Höhenmeter) kann auf einem gut angelegten Bergpfad überwunden werden. Die Unteralpstrasse führt uns vorerst talwärts in südwestlicher Richtung; nach 1 Stunde zweigen wir links auf einen Fussweg ab, der dann längs des Gemsstocks bis Andermatt führt. 

Wir schauen auf die Bergketten hinauf und hoffen eventl. einheimisches Wild erspähen zu können. Ja, da – von hoch oben begucken uns 3 grössere Tiere! Bei der genaueren Betrachtung sind es – Lamas! Auf dem Weg finden wir eine Hinweistafel: Schutztiere für Schafherde! Sie wehren sich gegen Eindringlinge, z.B. Wölfe. Auch wir scheinen ihnen suspekt zu sein. Sie jedenfalls schauen uns noch lange nach. Sonst scheint uns das Untertal sehr tierarm zu sein, ausser den Bienen, die hier in diversen Kästen verteilt, untergebracht sind.

Ein letzter Aufstieg, damit wir ein Bachbett über einen Steg überqueren können – und wir sehen Andermatt. Nach dem langen Abstieg (über 1200 Höhenmeter) haben wir einen abschliessenden „Coup“ verdient; auf der Sonnenterrasse im Hotel / Restaurant Post / drei Könige, erhalten wir das gewünschte: Hans und noch einige Berggänger natürlich die „Heisse Liebe“ (warme Waldbeeren mit Vanilleglace). 

Der Abschluss des Tages heisst gemütlich transportiert zu werden. Im Zug erreichen wir unser Zuhause. Wiederum ein sehr gelungener Wandertag, Fredi herzlichen Dank für all deine Bemühungen zum Gelingen. Wir nehmen wiederum sehr schöne Erlebnisse mit uns. 

 

Fotos Annelies, Hane

Karte

 

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