Jul 182018
 
Tagesbericht: Max
 

Der Wetterbericht für heute: Im Flachland z.T. Regen, in den Bergen gewitterhaft, Südseite eher schön. Ob wohl das Gotthardgebiet im Süden liegt, die Teilnehmenden waren jedenfalls davon überzeugt 🙂  16 erwartungsvolle Wanderer (darunter 1 Frau), sowie 2 Hunde belegten ab Zug die schon sehr ausgelastete EC – Zugskomposition. An diesem Treffpunkt hatten wir schon zwei Transportmittelwechsel hinter uns und es sollten noch einige dazukommen: Umsteigen in Arth – Goldau, Erstfeld, Göschenen, Andermatt mit der Fahrt im Postauto zum Gotthardpass – kaum sassen wir ab, erhoben wir uns zum erneuten Fahrzeugwechsel. In Göschenen wurden wir beim Zugswechsel verregnet. Dieser Umstand konnte uns nicht vom Vertrauen auf unseren begleitenden Wettergott abhalten, denn als wir ab Hospental in Richtung Gotthardpass fuhren, konnten wir am Hoch über dem Tessin teilhaben. Nach etwa 3 Stunden Anreise fuhr der Postautochauffeur mit dem bekannten Dreiklang – Horn (tüü tää too) beim Gotthardpass – Hotel vor. Unsere gute Stimmung wurde unterstützt durch Fredis Ankündigung: Zuerst Café und Gipfeli, dann geht’s zu Fuss weiter. 

Heute durften wir uns auf eine 6 – Seen – Wanderung freuen und haben damit den absoluten Höhepunkt des diesjährigen Motivs der Wasserlaufwanderungen erreicht, noch vor der Nächsten, der 5 – Seenwanderung auf dem Pizol. Ein etwas kalter Nordwind begleitete uns auf dem ersten Wegstück ab Gotthardpass zum ersten (Stau-) See und führte uns an einer Sommerweide von etwa 40 Kühen vorbei, die alle grosse Halsglocken trugen. Die Stärke des Geläuts entsprach ungefähr den Einschellern, die als Innerschwyzer Fasnachtsbrauch mit vielen Treicheln erreicht wird. Ab dem Stausee Lago di Lucendro begann der erste Aufstieg über etwa 300 Höhenmeter; er liess uns nun zur „Betriebstemperatur“ kommen. Dabei genossen wir auch die uns umgebende Alpenflora.

Der Bergfrühling, der uns mit den Blumenwiesen am optischen Erlebnis teilhaben liess, ist am Abklingen. Das Farbenmeer der vielfältigsten Blüten finden wir nur noch bei unbeweideten Steil- und Seeuferhängen sowie beim felsbrockenübersätem Gelände. Da finden wir noch Gruppen von blauem Enzian, Büschen von rotblühenden Alpenrosen, kräftiggelbem Arnika, etc.

Die Wanderwegpfade sind z.T. eher Bachbette und so wird der Schrittrhythmus zum Unding. Freudig nehmen wir wahr, dass sich im Aufstieg das Ungewisse breit macht, den von unten sind die Terrainabstufungen nicht auszumachen, die weitere Bergseebecken enthüllen sollten. Beim Aufstieg erscheinen daher unmittelbar die nächsten Seen (Laghi della Valletta), wo wir uns eine Ruhepause gönnen. Die tiefblaue Wasserfärbung lässt uns bis auf den Grund des Sees blicken, ja, er ladet zum Bade. Die Temperatur hier auf 2400 müM und der Wind tragen dazu bei, dass es bei den Vorstellungen bleibt. Die mitgeführten Hunde geniessen aber das kühle Nass und sehen jetzt gespannt auf die Rucksäcke, aus denen die mitgebrachten Verpflegungen entnommen werden. Ihr Hunger ist nun wach geworden – und sie betteln, mit bekanntem Hundeblick kombiniert; das bewirkt bei Einigen, etwas vom Mitgebrachten abgeben. 

Nach der Rast gehts wieder aufwärts; bald erreichen wir nach weiteren „Tümpeln“ den nächsten (unbenannten) Bergsee. Am Ende dieses Sees finden wir eine Wegweisertafel auf einem flachen Felsbrocken am Boden montiert. Hier gehts zum höchsten Punkt unserer Wanderung – dem Sattel Passo d‘ Orsirora oder auf Deutsch: Gatscholalücke, 2528 müM. Wir deponieren beim Wegweiser unsere Rücksäcke, da wir von hier aus unseren Abstieg vorgesehen haben. Ohne Lasten überqueren wir ein Schneefeld – und erreichen danach den Grat. Er offenbart uns die Sicht Richtung Furka – vom Dammastock (rechts) bis zur Rotondohütte (links). Hier verweilen wir eine kurze Zeit; die Programme auf den Handis verraten uns sämtliche Namen der anvisierten Bergspitzen. Natur und Technik lassen sich damit wunderbar vereinen.

Der Abstieg in nordöstlicher Richtung führt uns bei weiteren Seen vorbei: auf 2444 müM erwarten uns die Laghi d‘ Orsirora, noch weiter östlich der Lago d‘ Orsino auf 2286 müM. Unsere ganze Tour hält sich über der Baumgrenze, sodass Steinformationen, Wasserläufe und Seen sowie die Bergflora speziell zur Erscheinung gelangen. Beim nächsten Halt öffnet sich der Blick wieder zum Gotthardpass, den wir in ca. 1 Stunde wandernd erreichen werden. Beim nun abgeflachten Weg in südlicher Richtung überqueren wir zwei Wasserläufe, die zu den weiter oben traversierten Seen gehören. Beide werden genutzt: Zwei kleine Stauwerke mit Kleinstturbinen dienen auch hier zur Stromerzeugung. 

Zum Abschluss der Wanderung erreichen wir wieder den Ausgangspunkt auf der Passhöhe, wo das Postauto schon auf uns wartet. Es reicht noch zu einer kurzen „Durstlöschung“ auf dem sonnigen Vorplatz des Kiosk; die Fahrt nach Airolo auf dem Passstrassen – Autobahnstück ermöglicht uns den Weitblick Richtung Nufenenpass, der „Strada alta“ und in die Leventina hinunter ins „Tessiner Unterland“. Ein romantischer Aspekt zeigte sich kurz oberhalb von Airolo: Die Postkutsche, wie in vergangenen Zeiten mit 5 Zugpferden, überholten wir mit dem Postauto – das als Gegenstück zur heutigen Reiseart. 

Die Zugsreise führte uns wieder nach Zürich, wo wir uns leider verloren, da wir ab Arth – Goldau im überfüllten EC zum Teil stehen mussten oder nur noch einzelne, verstreute Plätze belegen konnten. Im Menschenstrom und den Abfahrtszeiten der Anschlusszüge nach Hause, wurde uns ein Abschiednehmen verunmöglicht. Trotzdem ein herrlicher Tag; wiederum herzlichen Dank an Fredi, der alles wieder einwandfrei organisiert und vorbereitet hat. Dankbar nehmen wir wieder die Erlebnisse der Wanderung mit uns.

Karte

Fotos Werni, Föns

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