Mai 092018
 

Tagesbericht Max Müller

Am HB Zürich bestieg eine erwartungsfrohe, 15-köpfige Wandergruppe (davon 1 Frau und 2 Hundeführer) – bei schönstem Wetter – den Zug nach Bern / Murten. Alle hatten sich wieder viel zu erzählen und wir trafen unerwartet schnell im Bahnhof Bern ein, wo wir umsteigen mussten. Theo hatte uns kurz zuvor informiert, dass es eine Überraschung geben werde, denn er hätte auf Einladung seines früheren Chefs einen Apèro in seinem Anwesen (am Murtensee) vereinbaren können. Beim Umsteigen mit Peronwechsel ist Theo im Menschenschwarm verschwunden – er war nicht mehr auffindbar. Auf der Weiterfahrtsrampe wurden zwei Züge geführt; der vordere mit Ziel Freiburg, der hintere nach Murten / Neuenburg. Wir stiegen in den hinteren Zug ein, in der Hoffnung, dass Theo ihn auch gefunden hätte. Kurz nach der Abfahrt meldete sich Theo auf dem Smartphone bei Werni: Er sitze im falschen Zug und fahre nach Freiburg! Nun wurde nach Lösungen gesucht – Fahrplan studiert, Abfahrten und Ankünfte in Murten verglichen. Theo hatte die beste Lösung gefunden: Umsteigen in Freiburg / direkter Anschluss nach Murten, und – Zielerreichung nur eine viertel Stunde nach unserer Ankunft! Super! Dann meldete sich der Sprecher in unserem Zug und erwähnte, dass der vordere Zugteil nach Neuenburg fahre (hierin befanden wir uns) und der hintere Teil nach Murten. Wir waren schon in Kerzers angekommen und mussten nun eilends den Zug wechseln! Fazit: Es ist wirklich nicht einfach, den richtigen Zug mit dem richtigen Zielort bei den knappen Umsteigezeiten zu erreichen – fragen kann man heute ja niemanden mehr (keine Zugspersonalbegleitung). Aber, glücklich vereint – dank Mobiltelefon – fanden wir uns in einem Café „unter den Bögen“ im hübschen Städtchen Murten, wo wir uns kurz stärkten.

Dann zum nächsten Höhepunkt: Weg entlang am Murtensee bis nach Muntelier, wo wir durch einen sympathischen Hausbesitzer (und Exchef von Theo) mit Alphornklängen herzlich empfangen wurden. Durch sein Garteneingangstor tretend, erblickten wir seine gediegen angelegte, botanisch vielfältige Anlage, die wir da bestaunen durften. Verschiedenster Pflanzen- und Baumwuchs, immer wieder unterbrochen mit dazwischen liegenden Aufenthaltsnischen, laden zum Verweilen ein. Unter einer Pergola erwartete uns der Apero (Weisswein / Zutaten). Theo machte uns auf seine vergangene Zusammenarbeit mit dem Hausherrn aufmerksam – und erwähnte die interessante Entwicklung der Autobahnplanung um Birmensdorf herum.

So stand ein vom Bund bewilligtes Ausführungsprojekt da, welches das Dorf mit Auswirkung von starkem Durchgangsverkehr belastet hätte. Man musste handeln! Köbi Gut konnte als damaliger Präsident der Holzkoporation zusammen mit Theo und seinem  Exchef und anderen Helfern mit viel Einsatz und Wille eine abgeänderte Autobahnlinienführung (heutiger Zustand) bewirken. Und noch heute sind die Birmensdorfer stolz auf die Initianten. Theo motivierte seinen Exchef (auch als Geschichtskenner) uns die Ortsvergangenheit Murtens näherzubringen, was er gerne aufnahm und in seiner Berndeutschen Ausdrucksweise besonders gut ankam. Er begann: Zum einen ist es die Sprachgrenze, die da die Anwesenheit der Helvetier keltischen Ursprunges dokumentiert, die schon vor unserer Zeitrechnung hier waren. Zum andern die Römer mit ihrem Sitz in Aventikum (Avenches). Dann wird auf Karl der Kühne eingegangen, der da eine Schlacht bei Murten gegen Berner und Zürcher ausgefochten hatte. Es ging um die Machtvorherrschaft. Karl der Kühne, Herzog von Burgund, hat dadurch aber alles verloren. Bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut (im Jahre 1476/77). Und erzählen konnte unser Gastgeber – es war eine Freude. Leider mussten wir uns verabschieden, denn vor uns lag noch ein langer Weg.

Und erzählen konnte unser Gastgeber – es war eine Freude. Leider mussten wir uns verabschieden, denn vor uns lag noch ein langer Weg.

In den Auenwäldern wanderten wir auf weicher Häckselunterlage, durch lichte Baumgruppen, dem Ufer des Murtensees entlang. Der schattenspendende Blattbewuschs schützte uns vor den steigenden Temperaturen; es kündigte sich uns ein weiterer Sommertag an. Ab dem Brückenübergang über den Canal de la Broye (Verbindungskanal zwischen Murten- und Neuenburgersee, 8.8 km lang / Juragewässerkorrektur vor ca. 150 Jahren) waren wir direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Wir durchwanderten Weiler und Rebberge, die dann zum Aufstieg zum Mont Vully (Höchster Punkt 653 müM) führten. Mit einer weiteren, grösseren Wandergruppe aus der Deutschschweiz wetteiferten wir um die Weghoheit. Leider war ein durchkommen (überholen) nicht möglich, da die Pfade schmal waren. Sprüche wurden ausgetauscht: Hat das Altersheim euch Ausgang gewährt? Seid ihr von der Pro Senectute organisiert? etc. Der Aufstieg wurde so etwas verlangsamt – wir erreichten aber den Gipfel trotzdem, wo wir die Aussicht in vollen Zügen geniessen konnten. Leider war es wieder einmal dunstig; der Blick zur Jurakette war möglich, die Alpen waren aber diesmal nicht sichtbar. Es kam auch zur wohlverdienten Mittagspause unter dem angenehmen Baumbestand.

Der Abstieg zum Neuenburgersee führte uns durch ein naturnahes Gebiet mit frischbegrünten Wäldern und schönsten Blumenwiesen. In der Ebene angekommen bewanderten wir den Uferweg des Broyekanals bis zum Ökohotel la Sauge, wo uns eine kühle Erfrischung unter der sonnengeschützten Pergola erwartete. Die Karte zeigte uns als Fortsetzung des Weges ein Sumpfgebiet an; bei der Mündung der Broye zweigten wir in den Schilfgürtel ab, um am Seeufer entlang zum Einschiffungssteg in Cudrefin zu gelangen. Der Weg hatte seine Überraschungen zu bieten; zuerst mussten „die Kurzbehosten“ zur Kenntnis nehmen, dass die schon hochgewachsenen Brennnesseln auf dem schmalen Weg ihre Wirkungen zeigten, was „die Langbehosten“ zu amüsieren schien. Dann wurde der Pfad zum Ho Chi Minh Flur durch Schilf, Geäst und sonst welche Barrieren – ein Trekking- oder Abenteuerweg für Erlebnissuchende. Zum guten Glück war alles „Furz – trocken“, sodass wir nicht einsanken und von der Mückenplage verschont blieben.

Irgendwann wurden die Wege wieder normal und wir erreichten die Schiffsstation am Neuenburgersee. Da das Kursschiff erst etwas später eintraf, reichte es noch zu einer Glacerunde am Hafenkiosk. Der Abschluss mit der Fahrt über den Neuenburgersee zeigte uns, wie breit dieses Gewässer wirklich ist. Ein wunderbarer Tag hat damit seinen Abschluss gefunden. Der ICE – Zug nach Zürich brachte uns zum Ausgangsbahnhof zurück. Fredi, wiederum herzlichen Dank für deine gute Organisation mit der idealen Zeiteinteilung, Verbindungsabklärungen und deine Umsicht für ideale Wandergebiete. 

Fotos Werni, Hane

Karte

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