Nov 022017
 

Tagesbericht von Max Müller 

Heute hatten wir in allen Belangen einen wunderbaren Tag „einziehen“ können; nichts, auch einige kurzfristig geplanten Änderungen eingeschlossen, konnte uns von einem „goldigen Abschluss“ unserer diesjährigen Wandersaison abhalten. Für den Spätherbsttag hatte Fredi die Höhenlage der Wanderung berücksichtigen wollen, da vor Wochenfrist ein Schneefalleinbruch mit anschliessender Kälteperiode, die verschobene Wanderung (SZ / GL) vom Frühjahr nicht ratsam erscheinen lies. Zudem wurde durch ein Todesfall (Abdankung am Dienstag) unsere Wanderung kurzfristig auf den Mittwoch verschoben.

So trafen sich heute zur Wandertour im Gebiet nördlich des Thunersees nur die sieben vertrauten Gesicher, deren Agendas sich anpassungsfähig zeigte. Viele Entschuldigungen gab es von „termingebundenen Interessierten“, die auf unser volles Verständnis stiessen. Der Tag begann mit Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nach der Busfahrt von Thun nach dem Ausgangspunkt REHA Heiligenschwendi (1100 m.ü.M.) konnten wir unsere Kaffeebedürfnisse, bei herrlicher Sicht auf den Alpenkranz und hinter wärmeisolierten Fensterscheiben dieses Kurhauses, befriedigen.

Beim anschliessenden Aufstieg zum Aussichtspunkt „Blueme“ (1392 m.ü.M.) genossen alle Teilnehmer das „Warmlaufen“, denn die Temperaturen in den Waldpartien waren noch sehr frisch. Durch viel trockenes Laub und gut angelegten Pfaden führte uns der Weg in die Höhe – zuoberst ermöglichte uns ein Aussichtsturm die freie Rundsicht über die Baumspitzen hinweg. Diverse 4000-er im Süden und das Voralpengebiet erhoben sich über dem Thunersee. Das Stockhorn, das wir erst kürzlich „bezwungen“ hatten, erschien uns aus einer nicht vertrauten, neuen Perspektive. Auf der anderen Seite trat das Emmental mit den umliegenden Gebieten in Erscheinung. Trotz zwei Orientierungsbildtafeln auf der „Ausgucksplattform“ wurden Fragen zu den geografischen Erhebungen und Talschaften gestellt, die uns Fredi wie immer kompetent und ergänzend beantworten konnte.

Erst nach langem „Sattsehen“ verliessen wir den Aussichtsturm – und genehmigten uns an dessen Fuss einen ersten Verpflegungsimbiss. Nach jedem „Höhepunkt“ kommt es zum Abstieg; unser nach Südwesten führenden Weg hat nun nochmals eine Variante ermöglicht: Ein am Dienstag geschlossenes Restaurant bietet uns heute die Möglichkeit, auf seiner Sonnenterasse Einkehr zu halten. Dazu mussten wir aber zuerst 400 Höhenmeter heruntersteigen. Über Wiesen und Matten kamen wir an weiteren Aussichtspunkten mit Panoramasicht vorbei. Wir hatten diese Routenänderung nicht bereuen müssen! Wie bei Sommertouren wurden wir auf einem Gartensitzplatz des Restaurants bewirtet und mussten keinesfalls frösteln, denn das Thermometer mochte gefühlte 20° C auf der Sonnenseite angezeigt haben. Wir genossen nochmals alle Annehmlichkeiten, die sich uns dadurch boten.

In weiteren zwei Etappen hatten wir nun die noch beinahe 600 Höhenmeter zu bewältigen, zuerst steiler Abstieg durch bewaldete Hänge, dann ziemlich eben durch noch kräftig grüne Weiden und schön angelegten Weilern mit viel Blumenschmuck auf den Hausbalkonen. Der Stil der Berner Bauernhäuser war da noch meist einheitlich anzutreffen. Zudem waren auch Kühe auf den Weiden anzutreffen, denen offensichtlich das noch schmackhafte Gras gut bekam.

Ein wichtiges Ziel unserer Wanderung war das Passieren der Hängebrücke. Sie verbindet die Gemeinden Aeschlen mit Sigriswil und liegt am Panoramaweg auf der nördlichen Seite des Thunersees. Das 5 Mio. Franken teure Objekt wurde 2012 eingeweiht. Total fünf Brücken mit unterschiedlichen Längen sind auf diesem Wanderweg schon entstanden, was jetzt als touristische Attraktion vermarktet wird. Die Sigriswiler Hängebrücke misst 340 m Länge und überquert die Gumischlucht; höchste Stelle = 182 m über dem Bachbett. Die Brückenschrittfläche ist total eben und ganzflächig mit Lochblechen belegt. Sie unterscheidet sich von der Aletschgletscherhängebrücke, die wir auf einer Wanderung begangen haben, in vielen Punkten: sie ist sehr stabil, kein „durchhängen“, Verankerungen an diversen Spannkabeln verstrebt – daher werden Schwingungen durch das Begehen beinahe ganz neutralisiert. Verloren geht dadurch das „Abenteuer“, was die Brücke eigentlich als Touristenattraktion auszeichnen sollte. Trotzdem ist der Blick in den Abgrund (Brückenmitte) sensationell: weit untern, zwischen den ausgewaschenen Felswänden schlängelt sich der Guntenbach hin.

Nach Abschluss der Brückenüberquerung entschlossen wir uns zum Abstieg nach Gunten. Der steile und Laub bedeckte Weg forderte uns zur Vorsicht heraus: Ausrutscher waren möglichst zu vermeiden. Mitgeführte Stöcke konnten hier hilfreich sein. Die Schluchthänge wurden immer höher und die Talsohle breiter, dann erblicken wir einen Rastplatz mit Feuerstelle und Kinderspielplatz; ideal für Feste und Feiern. Wir hatten Gunten erreicht – an der Hauptstrasse befinden sich beidseitig meist noch alte Hotels, zum Teil im klassischen Stil. Fredi zeigt uns den Parkhotel-Park mit sehr altem Baumbestand und schön angelegten Wegen. Hier schlug er uns vor, dass wir mit dem Schiff nach Thun fahren könnten, was von allen sehr begrüsst wurde. Es blieb noch eine kurze Zeitspanne bis zur Abfahrt, was uns zu einem letzten Umtrunk ermunterte.

Um 16.00h stiegen wir in ein gut besetztes Kurs-Schiff, – vom sonnenbeschienenen Heckdeck (bei noch angenehmer Temperaturempfindung) zeigte sich uns der Anblick von Eiger, Mönch und Jungfrau, die in der Abendsonne leuchteten; an den Uferhängen erblicken wir nochmals den farbenprächtigen Blätterschmuck der Wälder. Schon bald legen wir mit dem Schiff direkt neben dem Bahnhof Thun an und können unverzüglich in den IC – Zug nach Zürich umsteigen. Während der Fahrt verschwindet die Sonne schon bald am Horizont und gleichzeitig können wir den aufsteigenden Vollmond erkennen. So wurde der kürzer werdende Tag durch den Mondschein verlängert; er ermöglichte uns noch das Erkennen der vorbeiziehenden Landschaft aus dem Zugsfenster.

Im Namen aller Teilnehmer/innen sei Fredi für die umfassende und gut vorbereitete Höhenwegplanung herzlich gedankt; wir durften das ganze Jahr viele, schöne Eindrücke mitnehmen – sodass uns eine dauerhafte Erinnerung verbleibt. Auch mit dem Wettergott hast Du, Fredi wohl einen guten Draht aufbauen können, einfach alles hat sich immer von der guten Seite gezeigt. Zudem dürfen wir auf eine Fortsetzung der Wanderungen im nächsten Jahr hoffen. Für die kommende Zeit wünschen wir Dir nur das Beste.

Fotos Werni 

Karte Heiligenschwendi – Oberhofen

 

 

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