Jun 132017
 

Tagesbericht vom 13. Juni von Max Müller

Alle Voraussetzungen zur heutigen Jurawanderung waren gut; zwischen zwei Kaltfronten (Montag und Mittwoch) baute sich ein Hoch auf, das die Freude der 9 Wanderkollegen auf einen wunderschönen Tag schon bei der Anreise im Zug erlebbar machte. Ein IC-Neigezug brachte uns in 70 Minuten vom Hauptbahnhof Zürich nach Biel mit Anschluss an den Regionalzug nach Chaux-de-Fonds. Insidern wäre klar gewesen. dass die Zugskomposition aus zwei Teilen besteht und sie wären somit nicht in den Zugsteil nach Moutier eingestiegen. Die Abkoppelung des Zugsteils im Bahnhof Sonceboz, der nach Villaret ging, hat niemand von uns bemerkt. So fuhren wir in der uns wenig bekannten, schönen Landschaft weiter, bis zur geplanten Ankunftszeit, wo wir vergeblich den Zielbahnhof Villeret erwarteten. So verliessen wir noch vor der Endstation Moutier den Zug, um den Retourweg in der Gegenrichtung anzutreten. Dies gab uns immerhin Zeit für einem Kaffee vom Kiosk.  Selbstverständlich kann man heute kein Zugspersonal resp.  Bahnhofvorstand nach dem Weg fragen, denn die gibt es schon lange nicht mehr. Ein freundlicher Fahrgast im Retourzug hatte uns dann aber die Sachlage erklärt.  

Mit einer einstündigen Verspätung erreichten wir den Zielbahnhof Villeret (unmittelbar vor St-Imier gelegen). Der Aufstieg durch das wilde Tal zum Chasseral war bereits bei der Bahnstation gut erkennbar. Nach der Durchquerung des Dorfes war der stete, teils steile Anstieg bis zum höchsten Punkt der Bergkette angesagt. Die nordwestliche Lage und die Waldzone des Anstieges haben uns angenehme und ausgeglichene Temperaturverhältnisse gewährleistet und so konnten wir im wild-romantischen Taleinschnitt die geologischen Formationen und floralen Besonderheiten bestens bestaunen. Über Leitern überwanden wir die Teilabschnitte, wo wir auf einem gut angelegten Weg die unwegsamen Klippen überbrücken konnten. Innerhalb von gut einer Stunde hatten wir schon 500 Höhenmeter geschafft, sodass Fredi uns in einer ersten Terrain-Nische einen Halt gestatten konnte.

Der Wasserfall auf der talseitigen überhängenden Felswand, musste man sich mit viel Fantasie selbst vorstellen. Der durch die Trockenheit verursachte Ausfall hat uns die sonst angenehm zu empfindende, verstaubende Feuchtigkeit vorenthalten. Dieser Mangel wurde aber bald mit dem Austritt aus dem Talschlund entschädigt – eine wunderbare Alpenwiese mit der unendlich grossen Vielfalt einer Bergflora empfing uns auf dem nun moderat ansteigenden Alpweidenweg. Hier blühten noch die Löwenzahn- und die Bärlauchblühten, die teilweise abgelöst wurden durch die zeitlich enorm schnellen Folgen der Vegetationsstufen. Mit den nachfolgenden Bergblumenarten in allen Farben eröffnete sich uns die Frage , wie sie wohl alle heissen würden. Mit etwas Wehmut dachten wir an Franz (unser treuer Wanderkollege der momentan leider nicht dabei sein kann), der uns während den Wanderungen freizügig mit seinem Wissen über sämtliche Pflanzen- und Blütenarten informierte und ihre umfassenden Namen und deren Eigenheiten verständlich machte.

Begleitet von den Wahrnehmungen, die uns die Natur anbot, stiegen wir immer höher und kamen an einer Alp vorbei, die eine grosse Kuhherde am saftigen Blütenzauber teilhaben liess. Beim letzten Anstieg wurde über einem Hügel die Spitze des 120m hohen Signalturms des Chasserals sichtbar, die wie der oberste Teil einer Rakete aussieht (ähnlich der Kinderglaces, die ebenfalls Rakete genannt wird). Die umfassende Antennenanlage, die von der Swisscom wie auch von der SRG benutzt wird, zeigte dass Erreichen des auf 1606m gelegenen höchsten Punktes der Wanderung an. Schweissgebadet, aber auch dankbar für die vorüberziehenden Schleierwolken am Himmel und dem etwas abkühlenden Wind erreichten wir den Grat beim Sendeturm, der uns die Sitzgelegenheit für die Mittagsrast bot. Bei der Verpflegung aus dem Rucksack genossen wir die Rundsicht, die leider nur die nähere Umgebung mit Murten-, Neuerburger- und Bielersee preis gab. Die Alpenkette lag im Dunst der doch sehr feuchten Luftschichten und verwehrt uns dadurch den imposanten Anblick.       

Von nun an ging’s bergab. Nach der Mittagspause visierten wir das in etwa 500 Metern Distanz gelegene Passhotel an. Es sollte denjenigen dienen, die auf den zum Mittagessen folgenden Kaffeegenuss nicht verzichten können. Alle anderen durften ihren Durst löschen, der bei der heissen Witterung den meisten zu schaffen machte. Beim anschliessenden Abstieg in tiefere Lagen wurde uns bewusst, dass der Sommer Einzug gehalten hat. Wohltuend empfanden wir den Weg durch die Waldabschnitte, die zum Wanderungsendpunkt im Dorf Nods führte. Ab dem schönen Winzerdorf (auf 850 m.ü.M), oberhalb des Bielersees gelegen, fuhren wir mit dem Postautokurs durch weitere Weiler zur Funistation oberhalb Ligerz. Hier wechselten wir das Verkehrsmittel: eine Standseilbahn sollte uns hinunter zum Bielersee bringen.

Mit der eingetretenen Zeitreserve, die wir auf unsere „Marschtabelle“ auswiesen – hat uns Fredi zum zusätzlichen Besuch des Winzergeländes über Ligerz „begeistern“ können. Die Temperaturen waren inzwischen auf etwa 30° angestiegen. In der Zwischenstation des Funis verliessen wir das Transportmittel, um in der näheren Umgebung allenfalls eine lauschige Gaststätte mit Terrasse und Blätterdach ausfindig zu machen. Tatsächlich führte unser Weg zu einem solchen Wunschlokal im nächsten Winzerdorf gelegen – nur, das Personal beanspruchte den Erholungsraum für sich alleine. Bedienung erst ab 18.00h!  In der Nähe fanden wir noch eine Aussichtsterasse (ohne Bewirtung), aber mit Baumbestand, der uns vor der unerbittlich einstrahlenden Sonne schützen konnte.

Der Abstieg durch die Rebberge nach Ligerz führte uns an der markanten Erscheinung der Kirche (über dem Dorf gelegen) vorbei. Eine Heiratskirche nach Buch – würde man so sagen. Dann die letzten Schritte bergab in malerische Dorf Ligerz, wo die Gaststätten in den Nachmittagsstunden ebenfalls geschlossen hatten. Eine Tafel wies uns auf eine bediente Seeterasse eines Hotels hin, die wir nun aufsuchten. So fanden wir, was wir erhofften – direkt am See gelegen, beschattet durch einen grösseren Baumbestand. Das mit dem obligaten Glacecup mussten wir uns abschreiben – unser Durst konnten wir aber stillen, bis uns dann das Kursschiff beim Schiffssteg mitnahm. Auf einer herrlichen Schiffsfahrt nach Biel durften wir den Abschluss unserer Reise geniessen. Ein Bus transportierte uns, nach unserer Ankunft im Bieler Hafen, zum Bahnhof. Die Fahrt nach Hause haben wir im intensiven Gespräch als kurzweilig empfunden – um 20.00h trennten wir uns nach den vielen, intensiven Eindrücken des Tagesablaufs. Fredi, es war ein weiteres Mal grossartig – vielen Dank für deine umsichtige Organisation mit soooo vielen Höhenpunkten, die uns dieser Tag erleben liess.

Fotos Föns

 

Karte: Villeret-Nods (klick)

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