Mrz 152017
 

Tagesbericht von Max Müller

An diesem strahlend schönen Wandertag trafen wir uns auf dem Bahnhof – nur eine Wolke warf ihren Schatten über uns – leider war Fredi nicht unter den 13 erwartungsvollen Teilnehmern. Ihn hatte seine Schwachstelle mit den Venen verhindert, mit uns einen erlebnisreichen Tag zu verbringen. An dieser Stelle: Fredi, wir alle wünschen dir alles Gute und gute Besserung!

Unsere weite Zugsreise führte uns durch eine frühlingshafte, grüne Linthebene, wo schon Kühe auf der Weide gesichtet werden konnten, nach Landquart. Hier erwartete die Rhätische Bahn uns auf der Weiterreise durch das Prättigau und den Vereinatunnel nach dem Unterengadin, wo wir zuletzt mit dem Postauto in die Höhe nach Guarda gefahren wurden. Dieses wunderbare, alte Engadinerdorf mit den typischen Bauten der kleinen, in die dicken Aussenmauern versenkten Fensteröffnungen und den nach aussen öffnenden, konisch sich verbreiternden Leibungen prägen mit den bemalten Fassaden den ästhetischen Eindruck und den sich zeigenden Dorfcharakter. Zudem lassen die Eingangspartien mit den oben abgerundeten Doppeltoren die dahinterliegenden Räumlichkeiten vermuten, die rund um diesen Zentrumsraum angeordnet sind. Früher waren diese Häuser noch meist mit Steinplatten eingedeckt, was heute leider aus Kostengründen den Blecheindeckungen weichen musste. Ins Ortsbild passen auch die vielen Brunnenanlagen, die in den meist steinbehauenen Strassenbelag eingefasst sind. Im Zentrum des Dorfes kommen wir am „Schellen – Ursli“ Gebäude vorbei, mit der typischen Aussenholzbank vor dem Haus, die der dörflichen Gemeinschaft, nach getaner Arbeit, zum täglichen Gespräch diente. Und noch eine Eigenart der Gebäudestruktur möchte ich hier erwähnen: In den Giebelfassaden im Estrichbereich befindet sich eine runde Öffnung – nach einheimischer Überlieferung diente sie den Verstorbenen, durch die ihre Seele nach dem Tod das Haus verlassen konnte. 

Natürlich suchten wir im Dorf, nach der langen Anreise, eine Kaffeepausen – Gelegenheit und fanden sie in einem am Dorfausgang gelegenen Hotel. Beim Eintritt gewahrten wir unmittelbar den Geruch der Arvenstube, dessen Ursache in den holzigen Raumverkleidungen geortet werden konnte. In der hellen, geräumigen und mit grossen Fenstern ausgestatteten Gaststube wurde uns die Aussicht auf die uns umgebenden, noch verschneiten Berge gegenwärtig. Diesmal reichte die Kaffeebeilage für alle, den es wurde uns feine bündner Nusstorte oder Fruchtkuchen angeboten. Gestärkt konnten wir uns nun auf den Weg nach Scuol begeben.

Der Ausgangsort zu der Höhenwanderung auf der Sonnenseite des Tals führte uns über meist trockene Strassen und Wege, aber auch noch an grösseren, schneebedeckten Alpweiden vorbei. Die Temperaturen stiegen immer mehr an und erreichten gefühlsmässig schon bald 15° C. Kleiderschichten konnten so schon bald abgetragen werden und der Rucksack wurde volumenmässig immer grösser. Unsere stete Aufmerksamkeit auf die Gehwege bedurfte es aber immer, da zum Teil schmelzendes Wasser die noch schneebedeckten Stellen zu Eisblatern umwandelte und einige wenige, aber harmlose Stürze nicht verhindert werden konnten. In den Föhren- und Lärchenwälder wurde uns, ausgelöst durch die starke Sonneneinstrahlung, die harzhaltige Luft gegenwärtig. Auf den noch braunen Wiesenpartien konnten wir schon einige, sich in der Sonne wiegenden Sommervögel beobachten, am Boden wurden wir auch Raupen gewahr. Der Höhenweg, der früher als Transitweg nach dem Tirol diente, führte uns an einem ehemaligen Sust vorbei, das sich heute nur noch als Gedenkstätte (Ruine) zeigte. Diese Wegstationen bestanden aus einem Wohn- mit Gasthaus mit angegliederter Stallung, Scheune und Lagerhaus sowie einer Kappelle. Im Mittelalter wurde ausschliesslich dieser Weg benutzt, da der Talweg erst 1867 gebaut und eröffnet wurde.

Unsere Suche nach einem geeigneten Rastplatz für die Mittagspause wurde nun aktuell; fündig wurden wir an einer sonnigen, talwärts gerichteten Stelle, die uns einen herrlichen Ausblick auf die Alpenwelt des Unterengadins eröffnete. Sitzgelegenheiten ergaben sich für 13 Personen ohnehin nicht, so wählten wir eben trockene Geländenflächen auf, die mit Sitzsteinen versehen war. Trotzdem mussten wir genau hinschauen, wo wir uns hinsetzen wollten, überall hat sich das Bodenleben schon ausgebreitet mit Ameisenstrassen. Genüsslich konnten nun alle nach den mitgebrachten Nahrunspacketen greifen. Aufpassen mussten wir hier nicht auf mitgebrachte Hunde, die Esswaren erbettelten (unter den Wanderern waren keine Hundebesitzer dabei), sondern auf „hungrige Bienen“, die uns umschwärmten. Das nahmen wir aber gelassen hin, den was sollten wir schon gegen „Frühlingsboten“ einwenden?
Nun mussten wir uns noch zu einer Tagesvariante äussern; es stand zur Auswahl, ob wir allenfalls nach Scuol baden gehen wollten, die eine Abkürzung der Route bedeutet hätte – oder eben über Ftan die Höhenwanderung fortsetzen sollten. Der Entscheid fiel eindeutig: Bei diesem optimalem Wetter wollten alle die uns gegebenen Voraussetzungen weiter geniessen.

Der weitere Weg nach Ftan führte uns durch einen Taleinschnitt in kühlere und bewaldete Regionen, die zum Teil auch noch schneebedeckt waren. Nach einem Aufstieg kamen wir wieder in den Höhenweg und auch wieder zur aussichtsreichen Sonnenseite der Talschaft, die uns parallel zur Talabfahrt in den Pistenbereich des Skigebietes von Ftan führte. Die Nähe des schön gelegenen Dorfes liess uns unseren Durst empfinden und wir fanden ohne grosse Umwege ein offen stehendes Restaurant. Unser „Auftanken“ gab uns die Energie, die wir nun im Abstieg nach Scuol brauchen konnten. Die Schneefelder wurden immer lichter, darunter litten aber die Wege, die einige „Nässe abbekamen“. Scuol (ca. 1250 m.ü.M.) erreichten wir neben den ebenfalls zu Tale führenden Spuren der Skipiste, die als Alternative zur Gondelbahn – Retourfahrt, den Skifahrern mit viel Mühe offengehalten wurde. An der Talstation der Gondelbahn diente uns eine Skibar zur Überbrückung der Zeit bis zur Heimreise mit der RhB um 16.41 h. Damit nahmen wir Abschied von einem wunderschönen Wandertag im fernen Unterengadin.

Herzlichen Dank gebührt natürlich unserem Ersatz – Reiseleiter Werni Eichenberger, der mit viel Engagement für das Gelingen unserer Wanderung verantwortlich war. Werni: Daumen hoch! Du hast deine Arbeit bestens erfüllt. Und ebenfalls bedanken möchten wir uns bei dem zu hause gebliebenen Wanderleiter, der uns mit der jahreszeitlich frühen Wanderung ins Unterengadin animiert hat. Ich kann dich verstehen, dass es für dich zur schwerwiegenden Entscheidung mit deiner Absage an unsere Gruppe kommen musste; wir haben dich an diesem Tag immer „mitgenommen“, du warst uns in Gedanken verbunden. Wir alle wünschen dir gute Gesundheit und hoffen auf „das nächste Mal“. 

Karte (klick)

Fotos Werni, Föns

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