Feb 212017
 

Tagesbericht vom 21. Februar von Max Müller

Unsere Frühjahrswanderungen führen uns über die drei Hügelzüge Albis, Lindenberg und Herlisberg, alle mit nord – südlicher Ausrichtung. Sie liegen ungefähr parallel nebeneinander; heute hatten wir den mittleren Höhenzug auf dem Programm. Zwischen zwei Hochdruckzonen liegend, haben wir den Tag mit dem Tiefdruckeinfluss ausgewählt. Dabei begegneten uns auf der Wanderung stets heftige Winde, die von Westen her, mit Föhntendenz, die Lufttemperaturwerte in einen erträglichen Rahmen stellten. Trotz anfänglicher Feuchtigkeit war ein Wandern mit dem offenen Regenschirm nicht möglich – auch Kopfbedeckungen mussten bei den auftretenden Böen festgehalten werden. Wir trafen uns auf dem Lindenberg auf dem Parkplatz des Bergrestaurant Horben, ein ansprechender Weiler bestehend aus einem alten Patrizierhaus, einer Kapelle und dem Restaurant mit angegliedertem Bauerbetrieb und der  Pferdehaltung. Der Ausflugsort liegt an einer bevorzugten Lage, denn das Bergpanorama umfasst die Sicht auf die gesamte Alpenkette, wenn…., ja, wenn Petrus uns erhört hätte. So appellierte das Wetter an unsere Phantasie, die uns den ganzen Alpenraum freigab.

Wie immer hat uns Fredi, der zudem mit seinem privaten Umzug beschäftigt ist, nicht nur mit seiner vorzüglich organisierten Wanderung verwöhnt – er hat uns gleich zu Beginn mit Kaffee aus dem mitgebrachten– Thermoskrug und mit ofenfrischen Gipfeli bewirtet, weil…., ja, weil am Dienstag meist Wirtesonntag, und das auf dem ganzen Hügelgebiet, angesagt ist. So konnten wir, durch diese stimmungsvolle Einlage gestärkt, uns getrost auf den Weg begeben. Über Wiesengelände, die schon wieder deutlich eine grüne Farbe annehmen, und Waldstücke führte uns die Tour auf die westliche Seite des Bergzuges mit Blick auf den Baldeggersee, der nun in den Konturen sichtbar wurde. Elf Unentwegte suchten sich mit dem Wetter zu arrangieren – die einen mit einer Pelerine, die anderen mit sturmsicheren Kopfbedeckungen. In Waldstücken führte uns der Weg über „Eisblattern“, die insbesondere bei Waldlichtungen auftraten. Das erschwerte uns ein Durchkommen und half denjenigen, die ihre Wanderstöcke mitgenommen hatten. Diese „Gletscherüberquerungen“ sind nur da in Erscheinung getreten, wo der schneebedeckte Weg, der tagsüber an seiner Oberfläche aufgetaut war, nachts unter dem freien Himmel wieder zu Eis erstarrte. Auch unser mitwandernde Hund hatte da seine liebe Mühe.

Westwärts sehen wir unter uns die Gemeinde Hitzkirch liegen, die sich am nördlichen Ende des Baldeggersee befindet. Nun wäre es an der Zeit, eine Rast einzulegen, was von Fredi auch eingeplant war. So erreichen wir die Gemeinde Müswangen und etwas bergwärts Hämikon. In diesem Weiler zeigen sich uns drei alte, innerschweizer Holzhäuser, die eine bauliche Verwandtschaft mit „Spychern“ haben. Wir befanden uns an einem historischen Ort, bekannt von den innereidgenössischen Konflikten, die unter Villmergenkriege (1656 / 1712) bekannt sind. Vor dem geschlossenen Restaurant deutet eine alte, fahrbare Laffete auf die hier stattgefundenen Auseinandersetzungen hin. Auf einer Gedenktafel stehen die Worte: Macht oder Recht! Das Kanonenrohr ist gegen das Ratshaus in Luzern gerichtet und will zeigen, dass hier „die Obrigkeiten“ im Streit mit den für ihre Freiheiten einstehenden Individualisten kämpften. Die innerschweizer Kantone waren mit der neuen Verordnung aus Bern, die eine Gleichstellung der Konfessionen anstrebte, nicht einverstanden. In der ersten Schlacht siegten die Innerschweizer, in der zweiten Bundesbern, das sich die Unterstützung durch die Zürcher sichern konnte. 4000 Menschen haben dabei ihr Leben eingebüsst. Stehen wir heute nicht in einer ähnlichen Situation, nur zeigt sie sich das jetzt in einer globalen Dimension? 

In der Fortsetzung unseres Weges begegnen wir in den Waldpartien immer wieder „den Holzfällern“, die riesige Stammdepots anlegen. Das Motorsägengeräusch ist schon aus weiter Ferne hörbar, dann begegneten wir den Arbeitsgruppen, die mit farbiger Kleidung und Helmen bestens ausgerüstet waren, hautnah. Tiefe Furchen führten zu den jeweiligen Arbeitsplätzen; auch die Wege haben ihre ebenen Oberflächenstrukturen eingebüsst. Es ist zu hoffen, dass die Wanderwegverantwortlichen einen guten Draht zu den Unterhaltsdiensten der Gemeinde aufrecht erhalten können, damit die schon bald beginnende Wandersaison nicht beeinträchtigt sein wird.

Nun ist es schon bald Zeit, die Mittagspause geniessen zu können; in Obersschongau finden wir unsere Verpflegungsstätte in einer gemütlichen Dorfbeiz. Beim betreten des Gastortes heissen uns alle Restaurantbeteiligten willkommen. Eine feine Menuekarte lässt uns „das Wasser im Mund“ zusammenfliessen – natürlich reicht es vorher noch für einen Aperitif. Mit Suppe, Salat und ein fein zubereiteter Hauptgang werden wir verwöhnt. Es fällt uns nach der Verpflegung schwer, den gemütlichen Ort wieder verlassen zu müssen, um auf dem nun ansteigenden Weg die eingenommen Kalorien in unseren zweiten Teil der Wanderung zu investieren. Er führt uns auf die gegenüberliegende, östliche Seite des Lindenbergs, diesmal mit Aussicht auf das Reusstal. In angeregten Gesprächen vergeht die Zeit während des Wanderns wie im Flug. Schon bald erreichen wir wieder den Ausgangspunkt auf dem Hoben. Es reichte noch zu einem Abschlusstrunk im Restaurant Rössli im nahegelegenen Beinwil (Freiamt), Hans sah sofort das in der Gaststätte aufgehängte Foto des Schwingerkönig Sempach. So wurde schon bald klar, dass der Sohn der Wirtin im gleichen Verein mit den Enkeln von Hans denselben Sport ausüben.

So hat wiederum ein schöner, aber windiger Tag seinen Abschluss gefunden – herzlichen Dank Fredi – das ist uns nur durch deine Initiative möglich.

 

Übrigens wenn Ihr ganz oben auf das Symbol mit dem Wanderer klickt, findet Ihr das Gesamtprogramm 2017, die Adressen der Teilnehmer, sowie auch Berichte und Fotos von den früheren Jahren.

Karte Horben – Lindenberg 

Fotos Werni, Föns

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